Stapel. „Trägst Du heute mit mir?“ Das ist wohl auf den ersten Blick eine unbedeutende, nichts aussagende Frage. Unter den Atemschutzgeräteträgern der Feuerwehr allerdings ist dies eine Frage vollen Vertrauens, von der in Ernstfall nicht zuletzt das eigene Leben abhängt. Vor allem wenn über Funk die drei Worte „Mayday Mayday Mayday“ zu hören sind.
Was es bedeutet, den eigenen Kameraden, in den meisten Fällen wohl auch den eigenen Kumpel, zu retten, haben die Feuerwehrleute aus Stapel am Donnerstagabend trainiert.
Ein Jahr ohne Einsätze ist ein gutes Jahr. Und lässt Spielraum für den Gruppenführer, der sich eine interessante Übung ausdenken darf. Denn die Atemschutzgeräteträger der Gemeindefeuerwehr Amt Neuhaus müssen binnen 365 Tagen mindestens einen Einsatz unter Atemschutz oder eine Übung, in der sie Atemschutz tragen, nachweisen.
So baute der stellvertretende Ortsbrandmeister Martin Dilk für seine Träger einen realitätsnahen Parcours auf, bei dem in einem völlig verrauchten Gebäude vermisste Personen gefunden werden mussten. Mit den Weg versperrenden Gegenständen und Gefahrensituationen, wie zum Beispiel Gasflaschen im Raum, machten sich mehrere Trupps kriechenderweise und mit Taschenlampen bewaffnet, auf die Suche.
Die Nebelmaschine hat wirklich alles gegeben. Da nützte auch keine Taschenlampe. Dicht an dicht, mit einer wegweisenden Feuerwehrleine, suchten sich die Feuerwehrleute ihren Weg. Mit mehr oder weniger Erfolg.
Der letzte Trupp gab während der Personensuche ein „Mayday Mayday Mayday“ über Funk ab. Somit wusste der vor der Tür ausgerüstete Sicherungstrupp sofort, dass ein Truppmitglied den Rückweg nicht mehr alleine bestreiten kann und sie zur Rettung ins Gebäude müssen.
Auch dies hat, neben der Rettung der eigentlich vermissten Person, geklappt!
Zusätzlich, neben einem Atemschutzeinsatz oder einer Übung, müssen die Feuerwehrleute zur Befähigung auch einmal im Jahr nach Lüneburg. Dort wird die Tauglichkeit bescheinigt, nachdem ein Parcours und einige Cardioübungen absolviert wurden. Auch medizinisch wird die Tauglichkeit regelmäßig überwacht.
All diese wiederkehrenden Aktivitäten werden in der Freizeit, nach der Arbeit und wenn Andere ihre ruhigen Abende genießen, durchgeführt. Und das ist gut so! Denn in nahezu jedem Brandeinsatz, auch im Freien, sind die Atemschutzgeräteträger nicht mehr wegzudenken.
Ob starke, giftiger oder reizende Rauchbelastung durch brennende Materialen oder sonstige Schadstoffbelastungen durch verbaute Materialen: Die Umluft unabhängige Luft schützt die Gesundheit der Ehrenamtlichen und lässt sie überhaupt erst die Einsätze abarbeiten können- zum Schutz und zur Gefahrenabwehr von uns allen!
Die Freiwillige Feuerwehr Stapel unterhält seit Jahren den Atemschutzanhänger der Gemeindefeuerwehr Amt Neuhaus. Daher werden sie auch zu etlichen Einsätzen innerhalb des gesamten Gemeindegebiets alarmiert.
Ihre Aufgabe besteht darin, Atemschutzflaschen und dazugehörige Materialien wie Masken zum Tauschen und Weiternutzen bereitzustellen und die Atemschutzüberwachung durchzuführen.
Und die wichtigste aller Aufgaben: sind nicht ausreichend Träger der ortsansässigen Wehr am Einsatzort oder sind diese „verbraucht“, weil sie bereits unter Atemschutz in diesem Einsatz waren, stellt die Feuerwehr Stapel auch die Mannschaft.
Die Wehr hält 18 Träger vor, von denen im Durchschnitt 16 einsatzbereit sind (Abwesenheiten und nachzuholende Tauglichkeitsprüfungen abgezogen). An Arbeitstagen können sie mit neun Trägern ausrücken, also vier Atemschutztrupps stellen.
Der Atemschutzlehrgang kann ab dem 18. Lebensjahr an der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Scharnebeck absolviert werden.
Somit DANKE an jede und jeden Ehrenamtlichen, die sich dieser Aufgabe stellen. Die körperliche Belastungen auf sich nehmen und ohne zu Murren Einsätze abarbeiten. Denn nicht unerwähnt soll bleiben, dass die komplette Schutzausrüstung rund 25 Kilogramm zählt, die zusätzlich gestemmt werden müssen. Neben der Arbeit unter Hitze, Sichtbehinderung und dem ganz normalen Wahnsinn im „Leben in der Lage“ bei der Feuerwehr.




(Bildrecht: Martin Dilk, Claudia Harms)
Claudia Harms
Gemeindefeuerwehrpressewartin Amt Neuhaus