Neuhaus/Elbe. Der Sommer neigt sich dem Ende. Der goldene Herbst beginnt- so wünschen wir es uns zumindest. Und ist dies nicht der Fall, dann wird der Alltag eben mit herbstlicher Dekoration verschönert. So ist es dann wohl auch nicht ungewöhnlich, dass ein Lehrer an einem Freitagnachmittag nach Schulschluss mit Eltern und Schülern in der Grundschule bastelt. Dabei nicht eingeplant war, dass eine Heißklebepistole das Bastelmaterial entzündet und es so zu einem Zimmerbrand mit starker Rauchentwicklung kommt, und es einige der Beteiligten nicht mehr zum Sammelpunkt schafften.
Genauso wenig eingeplant war bei den Feuerwehrleuten der Alarm um 17:47 Uhr, in dem dieses Szenario beübt werden sollte. „Die Grundschule in Neuhaus ist ein Objekt mit besonderem Schutzbedarf, da dort viele Kinder zwischen sechs und elf Jahren zusammenkommen und die in einem Notfall eben noch nicht rational handeln und reagieren können“, so fasst Zugführer Christian Pink die Lage zusammen. Menschenrettung, Brandbekämpfung und eine Wasserentnahmestelle mit besonderen Eigenschaften trafen in der zweistündigen Alarmübung aufeinander.
Insgesamt drei Kinder und zwei Erwachsene sollten durch den 3. Feuerwehrzug, also den Ortswehren Dellien und Haar und der Stützpunktfeuerwehr Neuhaus/Elbe gerettet werden. Unterstützt wurden sie dabei von der Kommunikationsgruppe der Gemeindefeuerwehr und DRK Ortsgruppe, die die Verletzten entgegennahm und zugleich wichtige Tipps und Handlungsempfehlungen bei der Nachbesprechung für derartige Einsätze gab.
Schwerpunkt der Übung war die Menschenrettung, bei der schnell koordiniert und nachgedacht und noch schneller gehandelt werden musste. So war der eigentliche Plan, rückenverletzte Personen durch ein nahegelegenes Fenster ins Freie zu tragen. Aufgrund der simulierten Verletzungen war dies nicht möglich und der lange Weg mittels Krankentrage durch das Gebäude musste bestritten werden. Schnell stellen die Atemschutztrupps dabei fest, dass nicht das Retten an sich, sondern die klare Kommunikation über Funk hin zur Atemschutzüberwachung Verbesserungen nötig macht. Hitze, Rauch und der Warnton der Brandmeldeanlage zwangen die Trupps in Inneren des Gebäudes, Funksprüche wiederholen zu müssen, was im Ernstfall Zeit kostet. Dies wird weiter beübt und getestet, da waren sich die Träger einig.
Einig waren sich die Feuerwehrleute auch, dass diese Übung durch Zugführer Christian Pink und dem stellvertretendem Ortsbrandmeister der FFw Neuhaus/Elbe Danny Schaurich, eine sehr gut gelungene und interessante Übung war. Denn das nächste Highlight der Übung ließ nicht lange auf sich warten. Im 3. Zug übernimmt die Ortsfeuerwehr Dellien bei Brandeinsätzen die Wasserversorgung. Dieses Mal aus dem Tiefbrunnen, eine der nahegelegensten Wasserentnahmestellen an der Schule. Bei dieser Entnahmestelle ist die Besonderheit, dass in dem Brunnen eine elektrische Pumpe verbaut ist, die das Grundwasser einige Meter zur Oberfläche befördert, wo es dann über eine Feuerwehrpumpe weiter gefördert wird. Im Falle eines Stromausfalls würde ein Stromerzeuger der Feuerwehr an diesen Brunnen angeschlossen werden, um ihn benutzen zu können.
Am Samstagmorgen ging es dann für die Feuerwehrleute aus Neuhaus/Elbe auch gleich weiter. Dieses Mal war es leider keine Übung, als sie um 8:20 Uhr zu einer Tragehilfe alarmiert und es ernst wurde. Normalerweise ist dies Routine für die Ehrenamtlichen und ein schnell abgehandelter Einsatz. Der Samstagmorgen zog sich allerdings über zwei Stunden hin. Aufgrund erschwerter Bedingungen konnte ein Patient zunächst nicht tragend aus dem ersten Obergeschoss zum Rettungswagen transportiert werden, sodass eine Drehleiter zur Rettung durch das Fenster angefordert wurde.
Da die Elbfähren seit Längerem nicht fahren und somit der kürzeste Rettungsweg für die Bleckeder Drehleiter ins Amt Neuhaus nur über alternative Routen möglich ist, fragte die Leitstelle weitere verfügbare Drehleitern der Umgebung an.
Den Anforderungen des Einsatzes und der Verfügbarkeit der Fahrzeuge entsprechend, kam die Drehleiter der Feuerwehr Lauenburg zum Einsatz. Der Rettungshubschrauber, welcher am Busbahnhof landete, brachte eine Notärztin zur Einsatzstelle.
Glücklicherweise konnte der Patient am Ende dann doch sicher durch das Treppenhaus in den Rettungswagen übergeben und ins Krankenhaus verbracht werden.
Dieser Einsatz hat jedoch wieder einmal gezeigt, dass eine stabile und verlässliche Verbindung über die Elbe unumgänglich und unverzichtbar ist. Der direkte und kurze Rettungsweg mittels fester Elbquerung erspart im Notfall kostbare Minuten. Für alle Hilfsorganisationen. Egal, ob diese rechts- oder linkselbisch angefordert werden, um Menschen, Tiere oder Sachgüter zu retten und zu schützen. Wird Hilfe und Unterstützung benötigt, brauchen ehren- und hauptamtlicher Helfer einen hindernisfreien Weg zum Einsatzort.




Claudia Harms
Gemeindefeuerwehrpressewartin Amt Neuhaus