Canton Neuhaus
Dieser kleine, unscheinbare Gedenkstein erinnert an eine Zeit, in der das Amt Neuhaus Schauplatz der großen europäischen Politik gewesen war. Die schlichte Inschrift lautet: 1813 - 1913. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts tobten die Napoleonischen Kriege auch an der Elbe: Preußische Truppen, schwedische Truppen, russische Soldaten - immer wieder wechseln Einquartierungen und Besatzungen.
Nach dem Sieg Napoleons 1806 wird das Amt Neuhaus Teil des Königreichs Westfalen unter Napoleons Bruder Jérôme. Um die Kontinentalsperre gegenüber England besser durchsetzen zu können, werden ab 1811 große Teile Norddeutschlands zu französischen Departements. Das Amt Neuhaus wurde zum Canton Neuhaus im Departement Bouches de l‘Elbe (Departement Elbmündung) Arrondissement Lübeck.
Die Amtssprache wird Französisch, ebenso Münzen, Maße und Gewichte. Es gilt der „Code Napoleon“, das französische Zivilrecht, das unter anderem die standesamtliche Eheschließung einführt. Zeitweise waren Eheschließungen nur in Lauenburg möglich, weil ausschließlich dort französischsprachige Beamte eine Trauung vornehmen konnten. All das dürfte für die Bevölkerung im Amt Neuhaus sehr beschwerlich gewesen sein, da nur sehr wenige Menschen die französische Sprache beherrschten.
Im Frühjahr 1813 erreicht General Karl von Tettenborn mit russischen Kosaken das Amt Neuhaus, am 15.3.1813 besetzt er Lauenburg. Sein Ziel ist es, die Napoleonische Armee aus dem Norden zu verdrängen. Im Amt Neuhaus wird die „alte Ordnung“ wiederhergestellt, allerdings dauert es bis zum Oktober 1813 bis auch die linkselbischen Gebiete des Königsreichs Hannover befreit waren.